„New Work“ – Buzzword oder echter Gamechanger?
New Work ist eines dieser Schlagworte, die inzwischen fast jeder schon einmal gehört hat. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist es nur ein modernes Etikett für Sitzsäcke, Tischkicker und Homeoffice – oder verändert New Work tatsächlich die Art, wie wir arbeiten, führen und Büros planen? Gerade in der Büroplanung zeigt sich sehr schnell, ob New Work ernst gemeint ist oder nur ein hübsches Marketingversprechen bleibt. Denn neue Arbeitsweisen brauchen passende Räume. Und umgekehrt können gut geplante Räume neue Arbeitsweisen erst möglich machen.
Was New Work wirklich bedeutet
Eine einheitliche, offizielle Definition von New Work gibt es nicht. Der Begriff stammt ursprünglich aus den 1970er-Jahren und beschreibt den Wandel der Arbeitswelt hin zu mehr Selbstbestimmung, Sinnhaftigkeit und Flexibilität. Heute wird er vor allem im Zusammenhang mit Digitalisierung, Fachkräftemangel und veränderten Erwartungen an Arbeit verwendet.
In der Praxis lässt sich New Work gut auf vier zentrale Fragen herunterbrechen:
Wann arbeiten wir?
Starre 9-to-5-Strukturen verlieren an Bedeutung. Mitarbeitende entscheiden zunehmend selbst, wann sie arbeiten, Pausen machen oder ihren Arbeitstag beenden. Flexible Arbeitszeiten ersetzen feste Vorgaben – vorausgesetzt, die Ergebnisse stimmen.
Wo arbeiten wir?
Arbeit ist längst nicht mehr an einen festen Ort gebunden. Homeoffice, mobiles Arbeiten oder der regelmäßige Wechsel zwischen Büro und externen Arbeitsorten gehören für viele längst zum Alltag. Das Büro wird dadurch weniger Pflichtort, sondern mehr Begegnungs- und Arbeitsraum mit Mehrwert.
Wie arbeiten wir zusammen?
New Work bedeutet auch ein Umdenken in der Zusammenarbeit. Flache Hierarchien, mehr Eigenverantwortung und schnellere Entscheidungswege treten an die Stelle klassischer Managementstrukturen. Teams organisieren sich stärker selbst und arbeiten agiler – nicht überall gleich, aber deutlich häufiger als früher.
Warum tun wir, was wir tun?
Sinnhaftigkeit spielt eine immer größere Rolle. Menschen möchten verstehen, warum ihre Arbeit wichtig ist und welchen Beitrag sie leisten. Das betrifft nicht nur „hippe“ Jobs, sondern alle Tätigkeiten – vom Projektmanagement bis zur Sachbearbeitung. Unternehmen sind gefragt, diesen Sinn sichtbar zu machen.
New Work ist kein Einheitskonzept
Ein häufiger Fehler: New Work wird als starres Ideal verstanden, das überall gleich aussehen muss. In der Realität funktioniert das nicht.
Nicht jede Tätigkeit ist gleich agil, nicht jeder Mensch wünscht sich maximale Flexibilität. Manche Mitarbeitende brauchen klare Strukturen und einen festen Arbeitsplatz, andere arbeiten lieber mobil und ortsunabhängig. Erfolgreiche New-Work-Konzepte berücksichtigen genau diese Unterschiede.
Unterschiedliche Bedürfnisse im selben Unternehmen
In vielen Unternehmen zeigt sich eine klare Aufteilung:
- Ein Teil der Mitarbeitenden bevorzugt feste Arbeitsplätze und klare Routinen.
- Ein weiterer Teil nutzt flexible Arbeitszeiten und wechselt zwischen Büro und Homeoffice.
- Andere sind überwiegend unterwegs und nutzen das Büro nur punktuell für Meetings oder Projektabstimmungen.
New Work funktioniert dann gut, wenn diese verschiedenen Arbeitsweisen nebeneinander Platz haben – ohne dass sich jemand benachteiligt oder verloren fühlt.
Was New Work für die Büroplanung bedeutet
Spätestens bei der Raumgestaltung wird deutlich, ob New Work wirklich gelebt wird. Moderne Büroplanung ist heute weit mehr als das Aufstellen von Schreibtischen.
Flexible Arbeitsplätze statt Besitzdenken
Feste Einzelarbeitsplätze werden zunehmend durch flexible Desk-Modelle ersetzt. Mitarbeitende wählen ihren Arbeitsplatz je nach Tagesaufgabe – oft unterstützt durch Buchungssysteme, manchmal auch ganz bewusst ohne feste Zuordnung.
Wichtig dabei: Auch flexible Arbeitsplätze müssen ergonomisch, technisch voll ausgestattet und angenehm gestaltet sein. Nur dann werden sie akzeptiert.
Multiuse-Spaces statt Einheitsräume
Räume übernehmen mehrere Funktionen:
- Konferenzräume werden zu Projekt- und Workshopflächen
- Pausenbereiche dienen auch als informelle Arbeitsorte
- Kommunikationszonen ermöglichen kurze Abstimmungen im Stehen
So entstehen Flächen, die effizient genutzt werden und gleichzeitig Austausch, Kreativität und Erholung fördern.
Atmosphäre statt Kantinenflair
Gerade Pausen- und Gemeinschaftsbereiche werden neu gedacht. Statt funktionaler Zweckräume rücken Atmosphäre, Akustik und Wohlbefinden in den Fokus. Das Büro wird zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält – nicht nur, weil man muss.
Schritt für Schritt statt radikaler Umbau
New Work lässt sich nicht per Möbelkauf einführen. Bevor Räume verändert werden, müssen Prozesse und Arbeitsweisen klar sein.
Erst Prozesse, dann Möbel
Neue Rituale, agile Arbeitsformen oder flexible Modelle sollten zunächst getestet werden. Erst wenn klar ist, was wirklich funktioniert, lohnt sich eine räumliche Anpassung. So entsteht eine Büroplanung, die sich an den realen Abläufen orientiert – nicht an Trends.
Mitarbeitende einbeziehen
Befragungen und Workshops helfen, Bedürfnisse sichtbar zu machen. Schon einfache Umfragen liefern wertvolle Hinweise darauf, welche Arbeitsformen gebraucht werden. Wichtig ist dabei ein klarer Rahmen: Was ist möglich – und was nicht?
Warum professionelle Büroplanung entscheidend ist
Natürlich könnte man einfach Möbel aufstellen. Doch ohne Planung bleiben viele Potenziale ungenutzt – oder es entstehen neue Probleme.
Mehrwert durch ganzheitliche Planung
Professionelle Büroplanung berücksichtigt:
- Arbeitsprozesse und Laufwege
- Akustik, Licht und Farben
- Stauraum und zukünftige Entwicklungen
- Ergonomie und gesetzliche Vorgaben
Alles greift ineinander. Das Ergebnis ist nicht nur ein schöner Raum, sondern ein funktionierendes Gesamtkonzept.
Planung spart langfristig Kosten
Durch vorausschauende Planung lassen sich Flächen effizient nutzen, Möbel sinnvoll bündeln und spätere Fehlkäufe vermeiden. Visualisierungen helfen zudem, frühzeitig Anpassungen vorzunehmen – bevor sie teuer werden.
Die Kehrseite von New Work
So viele Vorteile New Work bietet, es gibt auch Herausforderungen.
Permanente Erreichbarkeit
Wenn Arbeit zeitlich und räumlich flexibel ist, verschwimmen Grenzen. Ohne klare Absprachen besteht die Gefahr, dass Erholung zu kurz kommt und Arbeitszeiten unbemerkt ausufern.
Verantwortung braucht Orientierung
Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Eigenverantwortung. Nicht jeder kommt damit sofort gut zurecht. Klare Teamregeln, transparente Kommunikation und eine offene Führungskultur sind entscheidend, um Überforderung zu vermeiden.
Fazit: Buzzword oder Gamechanger?
New Work ist kein kurzfristiger Trend – aber auch kein Selbstläufer. Richtig umgesetzt kann es Motivation, Zufriedenheit und Effizienz deutlich steigern. Entscheidend ist, dass Arbeitsmodelle, Unternehmenskultur und Büroplanung zusammen gedacht werden.
Dann wird aus dem Buzzword tatsächlich ein Gamechanger.
